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Das Projekt
Eine beschriebene Servierte des in New York lebenden Künstlers Cary S. Leibowitz diente als Inspriration für eine Vielzahl von Schülerinnen und Schülern sich einmal selbst mit ihrem eigenem Rassismus zu beschäftigen.
Unter dem Titel "Zweierlei muss ich für den Rest meines Lebens im Auge behalten:mein Gewicht und meinen Rassismus" waren die Jugendlichen aufgefordert eigene Texte zu produzieren, die die Grundlage eines Buches darstellen sollten. Das entstehende Werk sollte die Jugendlichen ermutigen sich mit sich selbst mit ihrem Leben, ihrer eigenen Lebensgeschichte und eben auch mit ihrem eigenen Rassismus zu beschäftigen.
Nach etwa einem halben Jahr konnten die Ergebnisse des Projekts zum ersten Mal vorgestellt werden. Bei der Premierenlesung im November 2008 stellten die jungen Autorinnen und Autoren einem Publikum von gespannten Eltern und Mitschülern, dem Bürgermeister Kleine-Möllhof, der Landeskoordinatorin von "Schule ohne Rassismus" und anderen hochrangigen Vertretern ihre Ergebnisse vor.
Diese gefielen nicht nur dem Verleger des GEEST-Verlag Alfred Büngen, der diese mit den Worten kommentierte "Hier ist Erstaunliches geleistet worden".
Auch die anderen Zuhörer und Teilnehmer waren überrascht und begeistert über die Courage und Reflektionsfähigkeit der Jugendlichen in Bezug auf ihren eigenen Rassismus:
Geordnet in Kapiteln, kann sich ein Buch behaupten, das durchaus enormes Gewicht hat, das berührend offen ist, das sich öffnet, sich erinnert, sich bekennt und sich positioniert, wie es selten wohl so einem erwachsenen Autor gelingen würde (Peter Gutsche - Projektleiter).

Neben der Premierenlesung hinterließ das Buch noch weitere Spuren. Lesungen zu historisch wichtigen Tagen, Aufnahmen der Geschichten und die Teilnahme am Projekttag "Antirassismusarbeit" waren die Folge.
Ergebnisse
Eine überlieferte Lebensgeschichte und die Überwindung eigener Grenzen
Bevor ich euch etwas über meine Grenzen erzählen werde, würde ich mich gern erst einmal vorstellen wollen. Ich erblickte am 21.10.1989 mit einem Gewicht von 4300 Gramm und einer Größe von 56 cm mit dem Namen Jousef Rezek, den mir meine Eltern gaben, das Licht der Welt. In Aachen geboren und mit drei Brüdern und einer Schwester aufgewachsen, mit denen ich bis zum 12. Lebensjahr viel Zeit verbrachte, waren meine Grenzen teils stark begrenzt zu dieser Zeit. Mit anderen Worten, es waren meine Eltern, die mir sagen und aufzeigten, wo meine Grenzen lagen. Eine solche Grenze war zum Beispiel, dass ich bei Sonnenuntergang zu Hause sein sollte.
Ich bin der jüngste Sohn meiner Familie, nach mir folgte schließlich drei Jahre später meine einzige Schwester mit dem Namen Amira. Die Grenzen meiner Eltern zeigten sich wohl mit der Geburt des fünften Kindes. Damals, in meiner Schulzeit, hätte niemand damit gerechnet, dass ich jemals die gymnasiale Oberstufe besuchen werde. Nicht einmal meine ehemaligen Lehrerinnen, die darüber gelacht und gegrinst haben, als ich sagte: „Ich möchte später mein Abitur machen.“ Durch einen Schulwechsel von der Gesamtschule in die Hauptschule gelang es mir alle Erweiterungskurse zu ergattern und schließlich meine Zulassung für die gymnasiale Oberstufe zu erlangen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das einzigartige Gefühl, das mir mein ganzes Leben vorenthalten worden ist: Es war das Gefühl, eine große Grenze, ja meine Grenzen überschritten zu haben!
Die Grenzen meines Heimatlandes münden an Israel und Syrien. Dieses Land, bekannt als die Schweiz des Orients oder das Paris des Nahen Ostens, nennt sich der Libanon. Meine Eltern haben die Grenze Libanons im Jahre 1986 verlassen, um uns, ihren Kindern und Nachkommen ein besseres Leben zu ermöglichen. Diese Entscheidung hatte natürlich positive wie auch negative Züge an sich. Zum einen wird man kostenfrei in die Schule integriert und gefördert im Gegensatz zum Libanon. Zum anderen entstehen sehr schnell Vorurteile, wenn man anders denkt, aussieht oder ganz einfach ursprünglich aus einem anderen Land kommt. Ich glaube, dass Vorurteile eine Vorstufe des Rassismus sind. Meinem Erachten nach wäre es empfehlenswert, wenn sich jeder als Kosmopolit bezeichnen würde. Dies würde eher ein Gefühl der Gemeinsamkeit hervorbringen als wenn jemand sagen würde: Ich bin Türke, Pole, Russe, usw. Zwar wären nicht alle Vorurteile damit abgeschafft, wenn man sich als Kosmopolit bezeichnen würde, aber man wäre ein Schritt weiter in die richtige Richtung geschritten. (Jousef Rezek, Text aus: "GEWICHTSPROBLEME - SELBSTaussagen zum RASSISMUS", S. 147)
Links
Zur Homepage der Erich-Kästner-Gesamtschule gelangt ihr hier.
An dieser Stelle erfahrt ihr mehr über das Projekt "Gewichtsprobleme - Selbstaussagen zum Rassismus".
Hörproben zur Initiative "Kinder und Jugendliche melden sich zu Wort" gibt es auf der Seite des Geest-Verlags.
Das Buch und vieles mehr könnt über diesen Link bestellen.
Informationen dazu, wie auch eure Schule "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" werden kann, gibt es auf dieser Homepage.
Schule gegen Gewalt - Schule gegen Rassismus
Zweierlei muss ich für den Rest meines Lebens im Auge behalten:
mein Gewicht und meinen Rassismus.
Die Schülerinnen und Schüler der Erich-Kästner-Gesamtschule (EKG) haben auf eigene Initiative dafür gesorgt, dass ihre Schule als eine unter 100 Schulen in Deutschland den Titel "Schule ohne Rassismus/ Schule mit Courage" tragen darf.
Um dieser Auszeichnung weiterhin gerecht zu werden, rief das EKG ein Projekt unter oben angeführtem Titel ins Leben, dass an Schülerinnen und Schüler appellierte sich mit ihrem eigenen Rassismus zu beschäftigen. Mit großem Erfolg!


