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Denise de Vere Peratoner, Stephanie Jungmann, Ansgar Chmiel und eine Prakti­kantin von Townload führten das Interview mit OB-Kandidat Reinhard Paß (SPD).

Wer wird Oberbürgermeister der Stadt Essen?

Im Rahmen eines Schulprojektes des Hugo-Kükelhaus-Berufskollegs der Stadt Essen haben Schülerinnen und Schüler  des Bildungsganges Gestaltungstechnische Assistenten Essener Politiker interviewt.
Welche Fragen haben Jugendliche an unsere Kommunalpolitiker?
Schaut euch die Videos an oder lest die Textfassungen der Interviews.

 
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Videointerview vom 29. Juni mit OB-Kandidat Reinhard Paß (SPD)

Allgemeine Fragen

Bitte stellen Sie sich kurz vor.

Reinhard Pass, 53 Jahre alt, verheiratet, 2 erwachsene Söhne. Ich arbeite als Ingenieur in einem Essener Unternehmen, der DMT GmbH. Bin seit 1983 Mitglied der SPD, seit 15 Jahren Mitglied des Rates der Stadt Essen und seit 6 Jahren in der Funktion des Fraktionsvorsitzenden.

1. Was haben Sie in Ihrer Partei für Essen geleistet?
Was man in der Partei schon alles geleistet hat, das sollten in erster Linie die Parteimitglieder beantworten, aber ich glaube schon, dass es auch mit auf meine Arbeit zurückzuführen ist, dass wir in der Essener SPD nach langen Jahren der internen Auseinandersetzung, der personellen Querelen, die wir gehabt haben bis zum Jahr 2003, wieder eine geschlossene Partei haben, eine geschlossene Fraktion haben, vertrauensbildend auftreten können. Ich glaube, an diesem Thema habe ich maßgeblich mitgearbeitet, und das macht mich auch ein Stückchen zufrieden.

2. Was wollen Sie in naher Zukunft in Essen bewirken?
Ich möchte, dass unser zentrales Thema der Sozialdemokratie – mit Bildung, Chancengleichheit für Alle – mehr Schlaggewicht bekommt. Natürlich kann die Kommune jetzt nicht das Bildungssystem umstellen. Das sind Verantwortungen, die in der Landespolitik wesentlich liegen. Aber wir können in Essen die Rahmenbedingungen für Bildung verbessern, also alles das tun, was Bildung behindert, abschaffen, das fördern, was Bildung begünstigt. An dem Thema, da möchte ich meine Schwerpunkte setzen.

3. Worin unterscheiden Sie sich von Ihren Mitbewerbern um das Amt des OB?
Ich denke, dass das wirklich auch in der eindeutigen Schwerpunktsetzung liegt, die da heißt, Bildung befördern, damit also auch der Jugend, den nachwachsenden Generationen die bestmöglichen Chancen zu bieten. Das ist etwas, was wir prioritär verfolgen und ich glaube, da unterscheiden wir uns sehr stark von den anderen Bewerbern um das Amt.

Kontakt zur Jugend in Essen

4. Was haben Sie in den letzten vier Jahren für Jugendliche in Essen bewirkt?

Meine Söhne, die 20 und 22 Jahre alt sind, sind sportbegeisterte Menschen, die sich auch in einem Sportverein engagiert haben. Ich habe in den letzten Jahren natürlich durch meine Funktion als Vater immer versucht, diese Sportbegeisterung meiner Söhne zu unterstützen, dabei auch der Mannschaft zu helfen, also man fängt damit an, dass man die Jugendlichen holt und bringt, dass man betreut, dass man sich in vielfälltiger Art und Weise einsetzt Das habe ich natürlich aus dem familiären Grund heraus in den letzten Jahren intensiv getragen.

5. Was tun Sie im Bildungs- und Ausbildungsbereich für Essener Jugendliche?
Ich möchte, dass wir in Essen ganz konkret diese unselige Einteilung A, B und C-Schulen bei den Ganztagsgrundschulen abschaffen. Ich halte das für ungerecht und ich möchte einfach, dass das nicht weiter so fortgesetzt wird. Ich halte es auch nicht für richtig, dass im Zusammenhang mit der Ausweitung des Schulbetriebes in den Nachmittag hinein, dass dort den Kinder und Jugendlichen kein Essen angeboten wird. Ich möchte, dass alle zur richtigen Zeit auch das bekommen, was sie brauchen – ein vernünftiges Essen, damit sie gut lernen können.
Ich möchte weiterhin, dass die Schulgebäude so saniert werden, dass sie ein Klima bieten, in dem man gerne lernt und dann auch wiederum die besseren Vorrausetzungen für sein späteres Leben mit bekommt.
Das sind die Dinge, die ich auch in der nächsten Zukunft umsetzen möchte. In der Funktion, natürlich, die ich anstrebe.

6. Was tun Sie gegen die Politikverdrossenheit junger Menschen?
Ich mache das z.B. auch, indem ich jetzt hier bin und über townload versuche, junge Menschen zu interessieren. Ich sehe aber auch zu, dass ich in vielen Stellen dieser Stadt, wo sich junge Menschen treffen, dabei bin, mit ihnen einfach rede und deutlich mache, dass Politik nichts Abstraktes, sondern dass es eine Tätigkeit ist von Menschen für Menschen, und da muss man natürlich bei den Menschen sein. Und das versuche ich intensiv zu betreiben. Da bietet der Wahlkampf natürlich viele Gelegenheiten zu, ich versuche sie so gut es geht auch wahrzunehmen.

7. Wie halten Sie Kontakt zur Jugend in Essen?
Der Kontakt zur Jugend in Essen ist natürlich ein abstrakter Begriff, also zum einen, indem man versucht, wie ich gerade sagte, dahin zu gehen, wo Jugendliche sind, wo sie sich betätigen.
Ansonsten ist es natürlich in einer Stadt mit 580.000 Einwohnern sehr schlecht zu sagen: Kontakt mit den Jugendlichen. Das lässt sich natürlich in Grenzen nicht ersehen, mit jedem einzelnen den Kontakt herzustellen, aber über Zielgruppen, über Organisationen, lässt sich das sicherlich machen.

8. Wo sehen Sie Möglichkeiten für Jugendliche in Essen, sich, ausserhalb von Wahlen, politisch zu engagieren?
Indem sie sich beispielsweise einer politischen Partei anschließen. In der SPD kann man Mitglied werden ab dem Lebensalter von 14. Dort gibt es auch eine Jugendorganisation. Man kann sich aber auch anderen Organisiationen anschließen, wie beispielsweise – in unserem politischen Umfeld gibt es die Falken – und natürlich auch die Angebote der anderen Parteien. Ich glaube, das wäre ein guter Einstieg für Jugendliche, sich dort einzubringen und auch mal Politik über die Generationen hinweg in Kontakt mit den anderen Parteien [...] kennenzulernen und wenn man jung einsteigt und eine gewisse Hartnäckigkeit zeigt und auch die Angebote dieser Organisation annimmt, dann kann daraus auch ein richtig politisch engagiertes Leben heranwachsen und das fände ich natürlich schön, weil wir alle in der Politik, egal aus welcher Ecke wir kommen, darunter leiden, dass wir zu wenig Nachwuchs haben und deshalb kann ich nur appellieren an alle Jugendliche: Schaut euch um, geht in eine Partei, in eine Partei eurer Präferenz. Ich würde mich natürlich besonders freuen, es wäre die SPD und bringt euch da ein. Die Politik kann nur gewinnen und ich glaube, die Jugendlichen können für ihren Lebensweg auch gewinnen – natürlich.

Aktuelle Fragen

9. Wie beziehen Sie die Essener Jugend in die Aktionen um die Kulturhauptstadt 2010 ein?

Ich bedaure erst einmal, dass das Thema Kulturhauptstadt Europas 2010 doch sehr isoliert behandelt wird. Wir haben eine Gesellschaft gegründet, die betroffenen Städte, das Land, die Kulturhauptstadt Ruhr 2010 GmbH, und diese Gesellschaft arbeitet das Programm für das Kulturhauptstadt-Jahr aus. Ich bedaure auch, dass die Politik sich nicht so einbringen kann, wie sie sich es wünscht und ich bedaure auch, dass die Belange von Jugendlichen für mich nicht so sehr erkennbar sind in dem ganzen Thema. Ich kann jetzt auch nicht die Frage beantworten, welcher Weg der richtige wäre, Jugendliche einzubringen. Ich kann nur feststellen und bedauern, dass es aus meiner Sicht nicht oder zu wenig geschieht.

10. Welche Maßnahmen halten Sie für richtig, um solche Ereignisse wie den Amoklauf in Winnenden zu verhindern?
Ich glaube, dass in der Schule neben einem engagierten Lehrkörper, bestehend aus Lehrern, es auch gut wäre, verstärkt Personal dazu gewinnen, Sozialpädagogen dazu zu gewinnen, Erzieher dazu gewinnen, die sich auf andere Art und Weise mit den jungen Menschen befassen können, die so etwas eher wahrnehmen können, dass es Veränderungen im Leben von Menschen gibt, das wäre ein Beitrag, der da helfen könnte. Also Schule muss ergänzt werden, auch um das Thema Erziehung – mehr als das, was Lehrer leisten können. Das Zweite ist – und eine persönliche Meinung von mir – ich meine, Waffen haben in der Gesellschaft nichts zu suchen. Man sollte sehen, dass man da also durchaus konsequenter vorgeht. Es gibt sicherlich auch da beründete Fälle, ich habe sicher nichts gegen Sportschützen und ähnliches, aber ich glaube, der Umgang mit Waffen ist noch viel zu lax. An der Stelle ist der Gesetzgeber auch gut beraten, sich etwas einfallen zu lassen, um solche Vorfälle, die Verfügbarkeit über Waffen eben betreffend, zurückzufahren.

11. Wie werden Sie möglichen Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise auf das Ausbildungsangebot Essener Firmen begegnen?
Die Firmen sind schlecht beraten, wenn sie die Wirtschaftskrise als Argument nehmen würden, um weniger Auszubildende einzustellen als bisher. Wir wissen genau um den demografischen Wandel. Der bedeutet, dass wir in den nächsten Jahren zunehmend mit einem Fachkräftemangel rechnen müssen, dass also die Wirtschaft zunehmend weniger Fachpersonal zur Verfügung hat als sie braucht, um ihren Geschäften nachzugehen und da geht es darum, dass man appelliert an die Wirtschaft, dass man deutlich darauf hinweist, dass dort passieren kann, wenn es nicht weiter [...] handeln in diesem Sinne [...]und ich bin auch sicher, dass das Thema "Demografischer Wandel" bei den Unternehmen mehr und mehr angekommen ist, so dass sie auch da nicht nachlassen werden, entsprechend auszubilden.
Aber es ist Aufgabe der Politik, da zu appellieren an die Verantwortung und natürlich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten – also im Bereich der Unternehmen der Stadt Essen – die Unternehmen anzuhalten, mehr auszubilden als sie brauchen. Dem Menschen eine vernünftige Basis für die Zukunft zu bieten.

Allgemeine Fragen

Vorstellung – Rückblick – Zielsetzungen – Abgrenzung von Mitbewerbern

Kontakt zur Jugend in Essen

Leistungen für Jugend – Bildung und Ausbildung – Politik­verdrossenheit – Kontakt – pol. Engagement

Aktuelle Fragen

Essen als Kulturhauptstadt 2010 – Nachwirkungen von Winnenden – Auswirkungen der Wirtschaftskrise

Textfassung

Mitschrift des Interviews mit Herrn Reinhard Paß, Oberbürgermeisterkandidat der SPD

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