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Weltflüchtlingstag am 20.06.2016


Am 20. Juni 2016 war die Jugend-Redaktion der Zeche Carl "Junge Wortklauber" vor Ort beim "Weltflüchtlingstag" in der Weststadthalle. Neben den Beiträgen zu den Eindrücken am Set, die live entstanden sind, die ihr weiter unten nachlesen könnt, sind nun auch zwei schöne Videobeiträge fertig: Das Interview mit Pu von RebellComedy sowie der Clip zu der Foto-Aktion „Mein Gesicht – Meine Meinung!“, welche beide einen kurzen Ausschnitt der Arbeit unserer Video-Redaktion widerspiegeln. Danke an alle Kids: Super Sache, Job toll gemacht!

Die Jugend-Redaktion „Junge Wortklauber“ ist ein Modul des Projekts „Im Anfang war das Wort“.

Das Video-Team "Die Wortklauber" besteht aus Merve (18 Jahre), Lara (20 Jahre), Joelle (18 Jahre), Leonhard (18 Jahre) und Santino (17 Jahre). Unterstützt werden sie von Cornelius Kämmerling.


Und wir – das Blogger-Team – sind: Zalmai (17 Jahre), Leon (18 Jahre) und Weronika (17 Jahre). Unterstützt werden wir von Sarah Meyer-Dietrich.

Team der Schülerredaktion


Interview mit Bernd Alles zum Aktionstag

Um uns einen Überblick über den Aktionstag zu verschaffen, habe ich den Moderator der heutigen Plenumsveranstaltung, Bernd Alles, gefragt, was heute alles in der Weststadthalle passiert.

Weronika: Was ist denn heute? Wieso haben wir uns hier versammelt?

Bernd: Heute ist der Weltflüchtlingstag. Wir haben verschiedene Schulen in die Weststadthalle eingeladen. Es gibt zwei Gruppen. Die erste kommt früh am Morgen, schaut sich erst die Stationen an und bleibt dann bis zum Ende der Plenumsveranstaltung. Die andere fängt erst mit dem Plenum um 12 Uhr an und beschäftigt sich dann mit den Stationen. Die Stationen sollen die Jugendlichen darüber informieren, wieso die Menschen überhaupt fliehen müssen. Es ist schwierig, aus der Heimat fliehen zu müssen. Krieg ist oft der wichtigste Grund.

Weronika: Und wozu soll es dienen, dass die Jugendlichen sich hier informieren?

Bernd: Sie sollen sich einen Blick verschaffen, was Flucht überhaupt bedeutet. Die Menschen sind oft verzweifelt, wissen nicht was sie tun sollen. Und die einzige Option, die dann bleibt, ist Flucht. Das Verstehen, wieso Flüchtlinge hier sind, ist meiner Meinung nach ein wichtiger Punkt. Genau darüber wollen wir die Jugendlichen heute informieren.

Weronika: Wie schafft ihr es, dass die Veranstaltung sowohl informativ als auch interessant für die jungen Menschen ist?

Bernd: An den Stationen gibt es nicht nur Informationen, sondern vor allem auch Spiele, die das ermöglichen sollen. Die Jugendlichen erfahren etwas zum Thema Flüchtlinge, indem sie etwas Spannendes selbst ausprobieren, statt nur langweilige Sachen zu hören. Ich finde es sehr wichtig, das Ganze interessant zu machen.

Weronika: Was passiert denn in der Plenumsveranstaltung um 12 Uhr?

Bernd: Wir haben zwei Politiker eingeladen. Den Oberbürgermeister Thomas Kufen und den Justizminister Thomas Kutschaty. Der Oberbürgermeister wird von einer Reise in den Irak erzählen. Ich finde das sehr spannend, weil es eine sehr authentische Erfahrung ist. Zum Schluss gibt es eine Performance von Pu (RebellComedy), damit die Veranstaltung für die Jugendlichen auch wirklich spannend bleibt!

Weronika: Wieso sind gerade Politiker eingeladen worden?

Bernd: Wir haben sie eingeladen, um zu zeigen, wie wichtig das Thema ist. Über Spiele hinaus soll eine solche Veranstaltung ja auch informativ sein. Wir wollen das Bewusstsein für die Thematik schärfen. Die Jugendlichen sollen ein Gespür dafür bekommen, dass die aktuelle Flüchtlingssituation ein weltweites Problem ist. Und dass sie selbst die Zukunft sind, dass sie selbst später mit diesem Problem umgehen müssen.


Bernd und Weronika


Infostand der Jungen Katholiken Essen

 

An diesem Stand ging es darum, wie viele Kulturen es eigentlich gibt und ob wir bereit sind, deren Essgewohnheiten auszuprobieren.

 

Leons Meinung dazu: Die Mehlwürmer waren ja gar nicht so schlimm. Schmecken wie ungesalzene Chips. Aber diese Fruchtbonbons von den Philippinen … hatten einen ziemlich hässlichen Nachgeschmack. Nämlich ziemlich scharf. Da freut man sich über ein süßes Bonbon und bekommt stattdessen pures Chilipulver …

 

Zalmais Meinung dazu: Zum Glück haben wir Ramadan. (Leon: du Glücklicher!)

 

Außer Essen gab es aber auch noch ein Sprachenzuordnungsspiel. Über Kopfhörer hörte man Worte in anderen Sprachen und sollte auf einer Stellwand zuordnen, welchen Satz man gehört hatte und welche Sprache das war. Die Gruppe, die wir beobachtet haben, hat sich dabei gut geschlagen.

 

Unser Fazit: Um mehr mehr über anderen Sprachen zu lernen, ist der Stand super. Aber Hände weg von den „Fruchtbonbons“!

 

 

 

(Leon und Zalmai)



Evangelische Jugend Essen

 

Hier konnte man Taschen und Anstecker selbst gestalten und beschriften. Die Symbole, die man dafür auswählen konnte, waren Symbole für Toleranz, Freiheit, Frieden und Gleichheit. Zum Beispiel ein Peace-Zeichen aus England, bei dem eine Faust ein Gewehr in der Mitte zerteilt.

 

Um euch so viel Content wie möglich zu bieten, hatten wir leider keine Zeit, selbst zu basteln. Aber so viel können wir sagen: Die fertigen Taschen und Anstecker sahen echt cool aus!

 

 

(Zalmai und Leon)



Infostand mit Aktion: Jugendwerk der AWO – Mensch ärger dich nicht!

 

An diesem Stand gab es ein Spiel zum Thema Flucht. Man zog einen Zettel mit einer Charakterbeschreibung. Zum Beispiel Alter, Name, Herkunft, Fluchtbeweggrund. Abhängig von dem Charakter, den man spielte, gab es verschiedene Hindernisse auf dem Weg. Zum Beispiel: Du wirst verfolgt - zurück an den Start. Dein Nachbar hat dein Versteck verraten - nur mit einer drei oder sechs kommst du weiter. Das sollte die Situation auf der Flucht verdeutlichen und eine Idee davon vermitteln, was Flucht bedeutet.

Anders als dem richtigen „Mensch ärger dich nicht“ sind es hier nicht die anderen Mitspieler, die einen auf dem Weg behindern, sondern die ungünstigen Fluchtbedingungen.

 

 

(Leon und Zalmai)



Arche Noah Essen – Gestalte deine Planke

 

Auch an diesem Stand gab es etwas zum Selbermachen. Dieses Mal ging es um die multikulturelle Gestaltung eines Schiffs. Hier vor Ort wurden zwei von 163 Schiffsplanken gestaltet. Aus den gesamten Planken wird dann ein Symbol für gesellschaftliches und soziales Miteinander entstehen.

 

 

(Zalmai und Leon)



Podium - Pu (RebellComedy)

 

Ja, ihr seht richtig: Pu von RebellComedy hatte hier einen Auftritt. Und er hat nicht zu knapp abgeliefert!

Leons Meinung: Das letzte Mal so gelacht habe ich bei Deadpool.

Zalmais Meinung: Das war das erste Mal, dass ich in Deutschland überhaupt so gelacht habe!

 

Sein Vortrag hatte aber nicht nur sehr starke Lachnummern. Sondern auch eine eindeutige Botschaft. Stichwort: Integration. Als Sohn iranischstämmiger Eltern ist er in Deutschland geboren. Reiste dann aber mit dreizehn Jahren für zwei Wochen in den Iran. Vorher hätte er von sich selbst behauptet, dass er Iraner ist. Erst im Iran merkte er, wie deutsch er doch ist.

 

Manchmal läuft Integration eben ganz unbewusst ab …

 

 

(Zalmai und Leon)



Fluchtweg „Fluchtursachen“

 

Vor der Weststadthalle stand ein LKW, der dem LKW ähnlich war, in dem in Österreich 71 Menschen auf der Flucht gestorben sind. Im LKW war eine Landkarte, auf der Symbole waren. Diese Symbole standen für Fluchtgründe. Zum Beispiel für Terroristen in Nahost und Afrika, für gleichgeschlechtliche Liebe in Russland. Damit die Menschen aus diesen Gründen flüchten können, sind sie häufig auf die Hilfe von Schleppern angewiesen.

 

Im Lastwagen waren Markierungen, die anzeigten, wie viel Platz jedem der 71 Menschen im LKW blieb. Dieser Platz war erschreckend klein.

 

Leons Meinung: Darin Stunden auszuhalten, ist selbst mit offener Luke kaum vorstellbar.

 

Zalmais Meinung: Ich habe selbst 34 Stunden in so einem LKW zubringen müssen, als ich nach Deutschland gekommen bin.

 

 

(Zalmai und Leon)



Info & Aktion: Asylverfahren

 

An diesem Stand konnte man genau erfahren, wie ein Asylverfahren abläuft.

Wenn man Asyl bekommt, wird man nach einem bestimmen Zeitraum wieder geprüft. Wird der Antrag abgelehnt, wird man abgeschoben oder legt Widerspruch ein. All das ist aber natürlich sehr schwierig, wenn man die deutsche Sprache noch nicht kann.

 

Spannend war hier vor allem auch das Thema Kirchenasyl: Man kann nämlich, wenn der Staat einen abgelehnt hat, immer noch Asyl bei der Kirche beantragen. Aus staatlicher Sicht ist man dann aber dennoch illegal in Deutschland.

 

 

(Leon und Zalmai)



Aktion: Ankommen

 

Hier ging um die Situation in den Flüchtlingsheimen in Deutschland.

 

In einem Zelt konnte man sich anschauen, wie es in dem Zimmer eines Flüchtlingsheims aussieht: 2 Schränke und 4 Betten. Die Menschen werden bunt zusammengewürfelt in ein Zimmer gesteckt. Manche mit Familie, andere mit völlig Fremden. Privatsphäre gibt es nicht.

 

Jugendliche unter 18, die unbegleitet reisen, kommen in Einrichtungen der Jugendhilfe. Dort wird ein Vormund für sie bestimmt.

 

 

(Zalmai und Leon)



Bericht vom Podium

 

Um zwölf Uhr fand die Podiumsveranstaltung auf der Bühne statt. Die Moderatoren Daniel Dimke und Bernd Alles erzählten erst mal von den Stationen, an denen man sich beteiligen und sich zum heutigen Thema informieren konnte.

Thomas Kutchaty, der Justizminister von Nordrhein-Westfalen, und Thomas Kufen, der Oberbürgermeister von Essen, wurden auf die Bühne gebeten. Thomas Kufen hat von einer Reise im Nordirak berichtet. Die geflüchteten Kinder und ihre Familien werden unter sicheren Bedingungen in Containern untergebracht und versorgt. Die Bildung spielt erst die zweite Rolle, denn die Unterkunft und das Überleben haben eine höhere Priorität. Krieg, eine schwierige Wirtschaftssituation und keine Perspektiven für die Zukunft sind die Hauptgründe, wieso die Menschen aus ihrer Heimat fliehen. Europa ist das häufigste Ziel, das sich die Menschen zum Auswandern aussuchen. Dabei ist die Integration ein sehr wichtiger Punkt, denn die Menschen müssen sich auch in einem völlig fremden Land zurecht finden.

Der Oberbürgermeister appellierte auch am Ende: „Geht in die Welt, schaut euch die Welt an.“ Denn das Anschauen der Welt sorgt für einen authentischen Einblick.


 

(Weronika)



Mein Gesicht – meine Meinung

 

„Ich liebe Menschen, die mich zum Lachen bringen, auch wenn ich nicht will“, schreibt ein Schüler auf eine transparente Wand und lässt sich dahinter fotografieren. Die teilnehmenden Schüler und Schülerinnen hatten in dieser Aktion die Möglichkeit, eigene Meinungen und Aussagen zu äußern, indem sie diese auf eine transparente Wand schrieben und ihre Gesichter dazu fotografieren ließen. Ich finde die Idee der Station sehr interessant, denn jeder hat seine eigene Meinung und hier kann man diese äußern und sein Gesicht dazu zeigen.


 

(Weronika)  


Weronika und ihre Meinung


Duldungsmühle

 

Der Stand hier hat ein Geschicklichkeitsspiel angeboten. Man bekam einen Film zu sehen, der sagte, man müsse auf einen Stempel drücken und dann auf ein Symbol. Dieses Symbol stand für eine Sache, die man beantragen wollte und war entweder ein Auto, ein Handy, Geld oder ein Flugzeug. Dann hatte man 90 Sekunden Zeit, die entsprechenden Hebel zu drücken. Hat man es geschafft, ist der Antrag durchgekommen. Mein Reiseantrag ist leider nicht durchgekommen. Lag vielleicht daran, dass wir nach so vielen Stunden Bloggerarbeit ganz schön K.O. sind. Oder die Maschine kaputt. Oder die Aufgabe auch tatsächlich gar nicht so einfach …

 

Das Spiel soll die Duldung in Deutschland verdeutlichen. Leute, die nur eine Duldung haben, dürfen keinen Führerschein machen (Auto), keinen Handyvertrag abschließen (Handy), nicht reisen (Flugzeug) und nicht ohne Genehmigung arbeiten (Geld). Den Antrag, eins dieser Dinge zu tun, wenn man nur eine Duldung hat, muss man innerhalb von 90 Tagen (dafür stehen die 90 Sekunden) stellen, damit er durchkommt.

 

Meine Meinung: An sich eine ziemlich gute Idee, wenn die Maschine funktioniert hätte. 

 

 

 

(Leon)



Zum Schluss

 

Abschließend möchten wir mitteilen, dass uns die heutige Veranstaltung sehr viel Spaß gemacht hat. Wir haben sehr viel über die Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, gelernt. Es hat uns zum tiefen Nachdenken gebracht. Wir würden uns sehr freuen, nächstes Mal wieder dabei zu sein und von der Veranstaltung berichten zu können.


Weronika, Zalmai und Leon


P.S.: Das Angebot war so groß, dass wir folgende Stände nicht mehr besuchen konnten (wir sind halt auch nur Menschen): Aktionsstand „Zahlen – Fakten CHECK!“, Infostand Pro Asyl Essen, Info- und Aktionsstand der Falken Essen, Aktionsstand „Elfchen – kreatives Schreiben“, Info- und Aktionsstand Jugendpsychologisches Institut, den Infostand der Ehrenamtsagentur, Infostand zum runden Tisch „Werden hilft“, Infostand zur Ausstellung „Volksbund Deutscher Kriegsgräber“ (hier haben wir leider den Bericht „mein Opa , der Flüchtling“ verpasst) und Aktionsstand „Erstmal zu(m) Flüchtlingskiosk!“.


 

P.P.S.: Lasst die Finger von philippinischen Fruchtbonbons, wenn ihr nichts Scharfes vertragt ...



Die WORT-Redaktion

Die WORT-Redaktion ist ein Modul des Projekts „Im Anfang war das Wort“.

„Im Anfang war das Wort“ ist ein Projekt der Auf Carl gGmbH (Zeche Carl) und wird im Rahmen der dreijährigen Konzeptförderung für Soziokulturelle Zentren in NRW gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.